Autor:

Werner Matt

Die Befreiung durch die französiche Armee 1945

Am 2. Mai 1945 waren die Häuser mit weißen Leintüchern beflaggt. Hindernisse, wie beispielsweise die Panzersperren aus Holz in der Bäumlegasse, waren noch vor dem Einmarsch der französischen Truppen beiseite geräumt worden. Die reibungslose Übergabe war auch dem Einsatz einer Widerstandsgruppe zu verdanken. Die Mitglieder dieser Gruppe, die seit 1943 bestand, versuchten in den letzten Kriegstagen unter Lebensgefahr, unnötiges Blutvergießen zu vermeiden und Sachschäden zu verhindern.

Am frühen Nachmittag erreichten die französischen Truppen Dornbirn. Die Erste französische Armee, von General de Lattre de Tassigny befehligt, befreite um 14.30 Uhr die Stadt. Beim Einmarsch in die Stadtmitte kam es zu keinem Widerstand, lediglich beim Stigelbach und im Wallenmahd kam es zu Kampfhandlungen zwischen der französischen Armee und der deutschen Wehrmacht. Im Wallenmahd starben in der Nähe der Fabrik J.M. Fußenegger fünf französische Soldaten. Der Zivilist Otto G. wurde ebenfalls tödlich getroffen, seine Schwester schwer verletzt. Durch die Kampfhandlungen wurden auch einige Häuser zerstört, darunter das bereits erwähnte Bauernhaus im Wallenmahd sowie ein Wohnhaus im Schwefel.

Dem späteren Landesstatthalter Eduard Ulmer fiel die Aufgabe zu, die Stadt gemeinsam mit Ing. Johann Martin Luger an die Franzosen zu übergeben. Ulmer und Luger nahmen gegen Mittag auf dem Marktplatz Aufstellung und warteten auf die französischen Truppen. Eduard Ulmer erinnert sich: „... eine weiße Serviette ..., die ich in der rechten Hand in Fahnenform erhob, als der erste Panzer durch die Riedgasse Richtung Marktplatz heraufkam. Dieser erste Panzer hielt bei der heutigen Insel am Marktplatz an und sprang von diesem ein französischer Offizier ab, der einwandfrei Deutsch sprechen konnte und auf den wir, nachdem er mit einer Handbewegung uns gewunken hatte, zugingen. Ich gab diesem Offizier die Übergabeerklärung ab und versicherte, daß die Stadt und ihre Bewohner der neuen Situation in Ruhe und Ordnung gegenüberstehen werden [...]. Auf meine Frage an den französischen Offizier, ob er von meiner Seite noch einen weiteren Dienst benötige, antwortete er mit einem Dank für die geleistete Unterstützung verneinend, und fügte hinzu, „Jetzt müssen Sie in Österreich zusammenhalten, dann wird es Ihnen auch wieder besser gehen“.

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Literatur:

MATT Werner: Zuerst das Notwendige ... Dornbirn von 1945 bis 2000. In: Werner Matt, Hanno Platzgummer (Hrsg.): Geschichte der Stadt Dornbirn. Band 2, 2002, S. 248f.