Autor:

Franz Kalb

Mohre Vere

Im Lebenslauf des Ferde gab es am Anfang nicht nur die üblichen markanten Daten, wie Taufe, Einschulung und Firmung, sondern ein Ereignis, das er selber beschrieben hat. Er war mit einem älteren Buben mit in den Kindergarten genommen worden, wo damals die Kreuzschwester Ignazia Ziesel ganz allein etwa 80 Kinder im Haus und auf täglichen Spaziergängen zu betreuen hatte, in all den Jahrzehnten unfallfrei. Einmal aber brauchte es doch einen besonderen Schutzengel. Der etwa vierjährige Ferde war ins Lehmloch gefallen, einen großen, tiefen Teich und wurde von der Nichtschwimmerin Ignazia im vollen Ordenshabit herausgeholt und damit geerettet. Heutzutage würde eine solche Nachricht um die ganze Welt gehen. Damals hat man nicht einmal einen Arzt oder ein Spital gebraucht. Trockene Kleider, und damit war alles Vergangenheit.

Der glücklich gerettete Ferde wuchs zu einem inteligenten, aber nicht immer bequemen Schüler heran. Schon damals suchte er im Geiste zu jedem Wort gleich einen Reim. Er hat für das Gasthaus Bierdeckel fabriziert. Auf der einen Seite stand "Loug amol was hienna stoht!" und auf der anderen "Zahlo sött ma vor ma goht." Bei der vielfachen Lehrerfrage nach dem Beruf des Vaters war er unschlüssig, ob der Gastwirt oder der Landwirt Vortritt hat. Das bedeutete für den jungen Ferde viel Arbeit im Schulalter, aber beim Hüten des Viehs konnte er doch allerlei Schabernak ausdenken. Seine außerordentliche Beobachtungsgabe kam ihm dabei zugute.

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Karikatur: Martin Rhomberg

Literatur:

Dornbirner Schriften Nr.34 2008, S.10 bis 11