Autor:

Josef Huber

Funkensonntag

Viel wurde über diesen in ganz Vorarlberg verbreiteten Brauch schon berichtet, über Sinn und Herkunft des Funkenabbrennens am ersten Sonntag nach Aschermittwoch. Obwohl dieser Brauch auch heute noch sehr lebendig ist, "hat sich in den letzten Jahren was Standort und Zahl der Funken betrifft, doch einiges geändert. Auf das Hatlerdorf bezogen besteht die Veränderung darin, dass an Stelle von vier großen Funken ( Hatler in Niederbahn, Egetler im Lehmloch der ehemaligen Ziegelei Rhomberg, Mühlebacher unter dem Bürgler Kappele und der Achmühler am Hiner, nördlich der obersten Häuser am Bürgle)nur noch jener der Achmünler in Rhombergs Bündt neben dem Spunter (Gasthaus Grüner Baum) abgebrannt wird.
Jede Funkenmannschaft mit dem Funkenmeister an der Spitze sammelte früher in seinem Viertel das Funkenmaterial mit dem gemeinsamen Ruf:

Pfifa Pfifa höh,
Buschla odr Stroh,
So wird do ..........Funka hoch,hoch, hoch.

Das gesammelte Brennmaterial wurde auf einen von den Funkerbuben selbst gezogenen Wagen geladen und bis zum Funkensonntag an einem geeigneten Platz gelagert. Die Grenzen zwischen den einzelnen Sammelrevieren wurden kontrolliert und wenn dann eine Funkenmannschaft es wagte, in einem fremden Viertel zu sammeln, gab es meistens Krach und nicht  selten erbitterte Schlägereien. Denn jede Mannschaft war

Original Funkerbub (Ilg Ernst, Steingasse) und der aufgestellte Hatlerfunken 1962. Die Funkenhexe ganz oben an der Spitze.

bestrebt, möglichst viel Brennholz zu sammeln, damit gerade ihr Funken der größte und schönste wird.
Auch die Fackeln zum Schwingen in der Funkennacht wurden meistens selbst angefertigt. Dazu benötigte man Pech oder Harz ( in der Mohrenbrauerei erhältlich), diverse in schmale Streifen geschnittene Lumpen und einen dicken grünen Haselnußstecken. Das Pech oder Harz wurde in einer alten Pfanne auf offenem Feuer zum Schmelzen gebracht, um das eine Steckenende ein Lappen gewickelt und mit flüssigem Pech über= gössen. So wurde Lage auf Lage aufgetragen, bis die Fackel die gewünschte Größe hatte. Je größer die Fackel, um so länger konnte man sie brennend schwingen. Daß es dabei oft auch leichte Verbrennungen gab, wurde einfach in Kauf genommen.
Geändert gegen früher hat sich auch die Art des Brennmaterials. Während es früher meist aus ausgedienten Christbäumen, Tannenästen oder Türkenstroh usw, bestand, wird heute vielfach Abbruchholz von abgebrannten oder abgebrochenen Althäusern, sowie sonstiges gut brennendes Material aus Industrie- und Handwerksbetrieben verwendet. Früher hatten die Funken eher ein schochenförmiges Aussehen, heute sind sie meistens an der Basis relativ schmal, dafür aber recht hoch. Sie werden geradezu fachmännisch aufgebaut, damit der Funken beim Abbrennen Ja nicht zu früh In sich zusammenfällt.
Das Abbrennen als solches hat sich gegenüber früher nicht geändert Punkt acht am Abend wird der Funken vom Funkenmeister angezündet und alle freuen sich, wenn Ihr Funken recht lange brennt und die Flammmen hoch zum Himmel auflodern. Am Tag darauf wird dann eifrig darüber debattiert, welcher- Funken am längsten und schönste gebrannt hat.


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Quelle:

Dokumentationssammlung
Josef Huber