Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Dornbirn

Die ersten freiwilligen Feuerwehren Vorarlbergs entstanden im Rahmen der deutschen Turnvereine. Es waren dies Bregenz 1862, Feldkirch und die Fabriksfeuerwehr Kennelbach. Die erste freiwillige Feuerwehr Österreichs wurde bereits im Jahr 1857 auf Initiative des Turnlehrers Franz Thurnehr in Innsbruck gegründet. Auch die Freiwillige Feuerwehr Dornbirn bildete sich auf Betreiben des örtlichen Turnvereines. In den folgenden Jahren blieben in Vorarlberg Turnvereine die Initiatoren der freiwilligen Feuerwehren.

Der Turnrad des Dornbirner Turnvereins nahm mit verschiedenen Feuerwehren des Bodenseeufers Kontakt auf und erhielt bei der Bildung der Dornbirner Feuerwehr insbesondere von Kennelbach, Rorschach und Bregenz Unterstützung.

Im Jahr 1862 gegründeten Turnverein Dornbirn tauchte 1864 der Gedanke zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr auf. 1865 vermerkte der Turnverein, dass er sich die Organisierung des Feuerlöschwesens zur Pflicht gemacht hätte. Als Initiatoren wurden Dr. Johann Georg Waibel und Eduard Luger ("Meßmers") genannt. Das 1865 in Bregenz abgehaltene und mit einer großen Übung verbundene Fest des Bodesee-Feuerwehrbundes wurde vom Turnverein Dornbirn "fast vollzählig" besucht und "gewährte mit seinen Eindrücken dem Entschluß zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Dornbirn bedeutend Vorschub".
Die Gründer der Feuerwehr Dornbirn waren Mitglieder des Turnvereins Dornbirn 1862. Lediglich August Rhomberg ("Färbers") gehörte als Nichtturnermitglied dem ständigen Komitee zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr Dornbirn an.
Dieses Komitee bestand weiters aus Arnold Rüf, Otto Fußenegger, Ferdinand Erhard und Dr. Johann Georg Waibel. Die Gründungsmitlieder der Feuerwehr hatten im Turnverein vielfach das Amt des Obmanns inne. Der Fabrikant Otto Fußenegger war 1862 Obmann des Dornbirner Turnvereins, Dr. Johann Georg Waibel trat 1864 bis 1871 als Obmann in Erscheinung, 1872 war der Schuhmacher Johann Georg Luger Obmann, der Fabrikant Otto Hämmerle 1873 bis 1878, der Arzt Dr. Leo Herburger 1879 bis 1885.

Doch waren "die Tage des alten Schlendrians" für Dornbirn noch nicht gezählt, denn die Gemeinde ließ das Schreiben des Turnvereins unbeantwortet, so dass der Vorstand in einem Schreiben vom 6. August d. J. an den Gemeinde-Ausschuß eingereichte Vorlage, betreffend das hiesige Feuerlöschwesen eine Folge gehabt habe oder nicht?"

Das Zögern der Gemeinde, in der Feuerwehrsache aktiv zu werden, kann nicht nur mit dem mangelnden Verständnis für Brandschutz erklärt werden. Bedenken dürften auch hinsichtlich des aufstrebenden liberalen Vereinswesens aufgetaucht sein, denn mit der Bildung eines Feuerwehrvereins entstand ein weiterer liberaler Treffpunkt des Ortes.

Der Turnverein arbeitete trotz des Desinteresses der Gemeinde auf die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr hin. Breits am 28. Dezember 1865 konnte er vermelden, "dass er jetzt im stande ist, aus dich selbst ein Steiger und Spritzen-Corps von wenigstens 40 Mann zu bilden". Zu diesem Zeitpunkt gehörten dem Turnverein insgesamt 49 Mitglieder an. Dem Verein fehlte es jedoch an den finanziellen Mitteln zur Anschaffung der notwendigen Gerätschaften, so dass er an den Gemeindeausschuß das Ansuchen stellte,

"die zur Bildung einer freiwilligen Feuerwehr (beziehungsweise eines
Steiger und Sprizen-Corps) erforderlichen Ausrüstungs-Gegenstände,
mit Vorbehalt des Eigenthumsrechts, aus Gemeindemitteln unverzüglich
anzuschaffen".

Auch 1866 arbeitete der Turnverein Dornbirn "ununterbrochen für die Entwicklung der Freiwilligen Feuerwehr" und wurde in dieser Sache bei der Gemeinde vorstellig. Bei der Kommissionssitzung zur Reorganisierung des Feuerlöschwesens am 17. Jänner  1866 diskutierte man zwar die Vorstellungen des Turnvereins, doch wurde in der Abstimmung beschlossen.

"Es habe vor allem eine allgemeine, auf den damaligen Bevölkerungs-
und Gewerbestatus zu basierende Reorganisation des Feuerlöschwesens
nach Analogie der vorausgegangenen Eintheilungen, jedoch mit den
nöthigen Modifikationen stattzufinden".

Am 7. Juni 1866 gab der Turnverein bekannt, dass "sich eine Anzahl junger Männer zusammengefunden, welche fähig und bereit sind, die Bedienung der erwarteten Metz´schen Spritze zu übernehmen und auch sonst sich im Brandwehrdienste einschulen zu lassen".
Mit den Übungen hatte der Turnverein bereits im Frühjahr 1866 begonnen.

Am 30. Juni 1866 bestimmte "die Mannschaft, welche zur eventuellen Bedienung der Metz´schen Spritze sich vorbereitet", Baumeiser Josef Anton Albrich zu ihrem Hauptmann. Seit diesem Zeitpunkt liefen die Feuerlöschangelegenheiten nicht mehr über den Turnverein, sondern über Hauptmann Albrich.

So beteiligten sich am Feuerwehrball am 19. Jänner 1868 40 Turner, und am 9. August d.J. besuchten 20 Turner das Konstanzer Feuerwehrfest. Die Feuerwehr hielt ihre Ausschußsitzungen vielfach in der Turnhalle ab.

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