Autor:

Werner Matt

Wir hatten keinen Luxus, wir hatten eigenen Riebel

In den Jahren zwischen 1945 und 1950 verschwanden rund hundert landwirtschaftliche Betriebe in Dornbirn. die Gründe waren vielfältig. In den ersten Nachkriegsjahren entstand eine große Zahl von landwirtschaftlichen Kleinstbetrieben zur Selbstversorgung. Sobald die Versorgung mit Lebensmittel besser geworden war, gaben viele den oft im Nebenerwerb bewirtschafteten Bauernhof auf. Dazu kam, dass nach dem Krieg die Tierseuchenbekämpfung verschärft durchgeführt wurde. Viele Tiere mussten abgeschafft werden, Rückschläge, die ein kleiner Betrieb oft nicht verkraftete.
Die boomende Wirtschaft bot attraktive Arbeitsplätze. Josef Rauch, der Landes-Bauernbundobmann, referierte 1951 vor der Ortsgruppe Dornbirn und kommentierte die gegenwärtig herrschende Mißstimmung in bäuerlichen Kreisen folgendermaßen: Es dürfen nicht nur die momentanen guten Einkommensverhältnisse der Industriearbeiterschaft beachtet werden, denn diese Konjunktur wird auch ein Ende nehmen.
Die Landwirte hatten in den letzten fünfzig Jahren mit mehreren Problemen gleichzeitig zu kämpfen. Durch die Realteilung, der Teilung des Hofes unter allen Kindern, entstanden viele kleine Betriebe. Je kleiner die Höfe waren, desto schwieriger wurde es, ökonomisch zu überleben. Vor allem die Mechanisierung war für kleine Einheiten oft nicht finanzierbar. Zudem stand es um den Nachwuchs schlecht. Bessere Ausbildung der Kinder, sinkendes Sozialprestige des Berufes und der 12-14 Studentag eines Neben- oder Vollerwerbsbauern führten dazu, dass immer weniger Töchter und Söhne bereit waren, die elterliche Landwirtschaft weiterzuführen.

Literatur:

Dornbirn von 1945 bis 2000
In: Werner Matt, Hanno Platzgummer (Hrsg.):
Geschichte der Stadt Dornbirn, Band 2, 2002

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