Siegfried Fussenegger

Siegfried Fußenegger war im Jahre 1894 in Dornbirn geboren und war ein Dornbirner von altem Schrot und Korn. Ihn kannte alles, jung und alt, Einheimische und Zugezogene; ein jeder schätzte seine Art, seine Vitalität, seine Offenherzigkeit, seine Schaffensfreude im Dienste der Heimat. Wer zählte die Stunden, die Siegfried Fußenegger schon als Realschüler, dann immer wieder, bis kurz vor seinem Tod, mit dem Hämmerchen des Geologen in der Tasche, dem Rucksack vollbeladen mit Steinen, auf dem Rücken das Malgerät dazu, in der Silvretta, im Räthikon und im Verwall, in den Lechtaleralpen und auf den Höhenzügen des Bregenzerwaldes, oder wo immer es sein mochte, als einsamer Naturfreund die heimatlichen Berge auf seine Art erlebte und erwanderte. Mit dem scharfen Sinn des Forschers drang er tief ein die Geheimnisse des Aufbaues und der Oberflächenformen unserer Landesnatur, bannte mit den Augen eines Naturtalentes die Leuchtkraft der Farben, die Harmonie und den Reichturn der Formen in der Gletscherwelt, am Ufer stiller Bergseen, hoch oben in den Bergen und tief unten in den Tälern, flink und treff¬sicher auf die Leinwand.
Siegfried  Fußenegger war ein ausgezeichneter Landschaftsmaler, zugleich sehr bewandert in mehreren naturwissenschaftlichen Disziplinen und nicht zuletzt ein vorbildlicher Sammler. Den Werdegang seines Museums schildert er selbst in kurzen Zügen wie folgt: Nach der Heimkehr aus dem 1. Weltkrieg bemühte ich mich, wäh¬rend meiner Freizeit, auf allen Gebieten der Naturgeschichte, zu sammeln. Bald reichte der Platz, der mir in meinem Elternhaus zur Verfügung stand, nicht aus. Bürgermeister Ruf kam mir entgegen und stellte mir die erforderlichen Räume in der alten Fronfeste zur Verfügung. Beim Umbau des neuen Rathauses 1959 musste ich dann mit meiner Sammlung in die gegenüberliegende Viehmarkthalle übersiedeln. Der neue Machthaber Hofer trug sich schon mit dem Gedanken, die Sammlung zu kassieren und sie nach Innsbruck zu überstellen. Dazu kam es gottlob nicht. Die langgestreckte Holzbaracke, die sogenannte Viehmarkthalle, strapazierte mehr als nötig meine Nerven. Dach- und demzufolge Wasserschäden bedrohten immer häufiger die Erhaltung der Sammlungen, von der Feuergefahr gar nicht zu reden! Dann schlug die längst von mir herbeigesehnte Stunde: Das Land Vorarlberg und die Stadt Dornbirn kamen überein, der Vorarlberger Naturschau eine würdige Stätte zu geben."
Die Freude Siegfried Fußenegger's war unbeschreiblich. Damit ging der letzte und größte Wunsch seines Lebens in Erfüllung. Wir alle haben uns gleichzeitig von ganzem Herzen mit unserem Siegfried" an der Krönung seines Lebenswerkes mitsonnen können. Am 11. Juni 1960 fand die feierliche Eröffnung der Vorarlberger Na¬turschau statt. Die Universität Innsbruck verlieh an diesem Tag Museumsdirektor Siegfried Fußenegger das Ehrendoktorat. Das Dornbirner naturhistorische Museum zählt zum schönsten und besten seiner Art weitum.
Nun ruht er aus - ewiglich still auf seinem Dornbirner Heimat; Friedhof, in dem er 1966 beerdigt wurde. In seinem Werk lebt er weiter. Siegfried Fußenegger war ein Sammler und Forscher von höchstem Rang, er war noch mehr: Ein überzeugender Kunder von Gottes wunderschöner Natur, einer der es meisterhaft verstand, die lieimatliebe in den Herzen seiner Landsleute zu wecken.


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Autor:

Josef Huber

Quelle:

Dokumentationssammlung
Josef und Manfred Huber

Link:

Eintragung ins Dornbirner Familienbuch