Johann Gutensohn (1915 – 2002)

Arbeiter

Johann Gutensohn wurde im Jänner 1940 von der Gestapo verhaftet, denn er hatte kurz mit Wilhelm Himmer, einem ehemaligen Nachbarn, gesprochen. Himmer leitete die AKO Dornbirn, die „Aktionistische Kampforganisation“ gegen die Nationalsozialisten. Obwohl Gutensohn dieser Gruppe nicht angehörte, reichte dieses kurze und harmlose Gespräch, um ihn festzunehmen und zu fünf Jahren Zuchthaus zu verurteilen. Gutensohn wurde in das Zuchthaus Amberg nach Deutschland überstellt; besonders schlimm waren die Wochen, die er in der Todeszelle in Stadelheim bei München verbringen musste. Im April 1945 wurde er durch amerikanische Truppen befreit:

Das Herz hat mich gedrückt
(Interview mit Johann Gutensohn)

Im Juni habe ich dann draußen Abschied genommen und bin heimwärts. Bis Regensburg haben mich die Amerikaner mitgenommen. [...] Dort habe ich zufällig den Bürgermeister getroffen. [...] Er war mit mir zusammen eingesperrt und hat mich noch gekannt. Seine Frau wurde umgebracht, weil sie Halbjüdin gewesen ist. [...] Er hat mich dann verpflegt. [...]
In Landeck sah ein Franzose, dass ich Militärhosen trug. Ich hatte keine Sträflingssachen mehr an, der Amerikaner hatte uns gesagt: „Dann könnte ein fanatischer Nazi euch erschießen.“ Der Franzose konnte nicht deutsch und ließ mich nicht laufen. Dann kam ein Dolmetscher und daraufhin sagte er: „Du kannst gleich gehen. „
Ich bin dann über den Arlberg und als ich die Vorarlberger Luft – das Herz hat mich gedrückt – ich hatte es damals ja wirklich nicht recht gehabt hier. Ich kam immer weiter herunter [...] bis ich dann hier angekommen bin.
Da muss mich eine Frau gleich erkannt haben. Sie hat auf ihren Mann gewartet, aber der ist nicht gekommen. Und die ist dann mit ihrem Fahrrad die Moosmahdstraße hinaus und hat [zu meinen Eltern] gesagt: “Gutensohns Hans kommt.“ [...] Dann kam natürlich die Mutter, die ist schlank gewesen, sie ist bis zum Konsum gelaufen.
 In der Zeit, bis ich aber zum Konsum gekommen bin, hat mich schon einer angespuckt. Aber ich hab mir nichts daraus gemacht. Ich hab nur gedacht, wenigstens fühle ich eine andere Luft, nicht mehr diese Säbelrasslerei. [...] die Mutter, die hat geweint und geweint
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Autor:

Werner Matt

Literatur:

PICHLER Meinrad: Nationalsozialismus in Vorarlberg,
2012.S. 325f.
MATT Werner: Zuerst das Notwendige ... Dornbirn von
1945 bis 2000. In: Werner Matt, Hanno Platzgummer (Hrsg.):
Geschichte der Stadt Dornbirn. Band 2, 2002, S. 267
MATT Werner: 50 Jahre Kriegsende. In: Dornbirner Schriften Nr.25,
1999, S.186

Link:

Lexikon "Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1933-1945"

Dornbirner Familienbuch