Gasthaus zum Schiffle

Mühlebacherstraße 25

Josef Diem war Schmiedemeister, dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, 1879 eine Schankwirtschaft Schiffle zu eröffnen. Nur wenige Jahre zuvor hatte dies bereits Peter Nußbaumer aus Lingenau versucht. Er hatte das Haus Mühlebacherstraße 25 kurz zuvor vom Wuhrmeister im Hatlerdorf, Josef Hämmerle, gekauft. Nachdem Nußbaumer 1877 das Ansuchen an die Gemeinde gestellt hatte, schrieb  der Dornbirner Bürgermeister Dr. Johann Georg Waibel daraufhin nach Lingenau, "da nun über sein (Nußbaumers) Vorleben hier verschiedene Gerüchte im Umlauf sind". Der Gemeindevorsteher Schedler aus Lingenau antwortete wenig schmeichelhaft über Nußbaumer, "sein Verstand (leide) an derartiger Schäche...", die ihn nie fest u. entschlossen tätig werden läßt." In seiner Stellungnahme an die Bezirkshauptmannschaft berichtet der Bürgermeister, dass, nachdem die Auskunft aus Lingenau verlesen worden sei, die Gemeindevorstehung das Ansuchen Nußbaumers einstimmig habe. Zudem seien in der 60 Häuser zählenden Gemeinde bereits zwei Schankwirtschaften, die des Franz Josef Gmeinder und des Thomas Rüf, vorhanden.
Josef Diem Nachfolger, sein Sohn Julius, war ebenfalls Schmied. Bereits 1909 erhielt Julius Diem den Gewerbeschein als Huf- und Wagenschmied. Er hatte den Beruf bei seinem Vater gelernt und war anschließend bei einem Schmiedemeister in St. Fiden im Kanton St. Gallen in der Ausbildung sowie beim Hufschmiedemeister Längle in Götzis, bevor er wieder bei seinem Vater arbeitete. Er übernahm das Gasthaus am 1. Mai 1912.
Die Gathäuser waren oft auch Zentren der gesellschaftlichen und des öffentlichen Lebens. Im Schiffle beispielsweise trafen sich am Abend des Gumpigen Donnerstags die "Bratendiebe", ein alter Brauch, der in Mühlebach besonders hochgehalten wurde. Gemeinsam mit den "Bestohlenen" wurde dann die Beute in geselliger Runde verspeist.

Autor:

Werner Matt

Literatur:

Dornbirner Schriften Nr. 26
Beiträge zur Stadtkunde
Dornbirn 2000, S. 107 u. 108