Die kleine Kapelle Hinterachmühle

Erbaut etwa um 1850 zu Ehren der Gottesmutter Maria und
zum Schutze der Häuser an der Ach vor Wassernot.

Johann Georg Thurnher (Zieglers Hanserg), ehemals Messner der kleinen Kapelle, schrieb im Jahre 1907 folgendes Gedenkblatt über die Entstehung derselben:

„Der Verfasser dieses Gedenkblattes, namens Joh. Georg Thurnher des Martin, derzeit Assistent des Vorarlberger Landesausschusses, legt hiemit über die Kapelle in der Hinterachmühle in Dornbirn einige Daten nieder, wie ihm dieselben teils von seinen Eltern erzählt wurden und teils aus eigener Erfahrung bekannt sind.

"Diese heute ander Nordseite der Hinterachmühlerstraße steh¬ende Kapelle wurde erbaut in der Zeit zwischen den Jahren 1848 und 1853. Im Jahre 1853 dürfte sie bereits vollendet gewesen sein, wie das große Gemälde im Altare, welches die hl. Familie mit dem hl. Johannes darstellt, schließen lässt, da es vom Maler Schwendinger laut seiner am Bilde unten gemachten Aufzeichnung im Jahre 1853 hergestellt wurde. Zwei weitere von demselben Maler angefertigte Bilder in der Kapelle, die hl. Helena und den guten Hirten darstellend, tragen dasselbe Datum.
Bevor diese Kapelle erbaut worden war, stand auf der gegenüber liegenden Wiese, die heute durch ein Bauernanwesen verbaut ist, eine kleinere offene Kapelle, welche von den Vorfahren und Bewohnern der Hinterachmühle um Abwendung der Wassergefahr der Dornbirnerach erstellt worden sein soll. In dieser kleinen Kapelle befand sich ein Bild die hl. 14 Nothelfer darstellend.
Die jetzige heute stehende Kapelle wurde von den Bewohnern der Hinterachmühle, nachdem die erwähnte kleinere Kapelle zum Abbruch gelangte und man eine größere haben wollte, gemeinsam hergestellt und wurden zur Deckung der Baukosten von den Brüdern Martin und Ulrich Thurnher vulgo " Zieglers " Sammlungen von Spenden vorgenommen, mit denen dann die Kosten auch für den Turm die Glocke und das Vergolden des Kreuzes auf dem ersteren be¬zahlt werden konnten.
Die zwei in der Kapelle befindlichen Bilder, 1. Maria die immerwährende Hilfe und 2. der hl. Josef sind Geschenke des Schreibers dieser Chronik. Die große Muttergottes Statue ist ein Geschenk des Michael Fussenegger, vulgo " Kenemacher ' in der Haldengasse, welcher dieselbe gekauft hat und aus der alten Schwarzacher Kirche stammen soll.
Im Oktober 1907 wurde diese Muttergottesstatue, welche nun bereits 16 Jahre in der Kapelle steht, neu gefasst. Die Kleider wurden in dem Paramentengeschäft Osiander in Hatlerdorf ver¬fertigt.
Anfänglich nach Herstellung dieser Kapelle wurde eine Zeitlang täglich dreimal der englische Gruß, wie in der Kirche geläutet. Später wurde von diesem Brauche abgegangen. Die Kapelle diente auch lange Jahre um im Sommer in der Zeit von Kreuzerfindung bis Kreuzerhöhung das ist 3.Mai bis 14.September in und vor derselben jeden Sonntag einen Rosenkranz zu beten. Dieser schöne Brauch ging in den achziger Jahren aus. Heute wird noch bei jedem Todfall eines Bewohners der Hinterachmühle am ersten Sonntag nach seiner Beerdigung zu dessen Seelenruhe ein Rosenkranz bei der Kapelle gebetet und der Beginn der Betzeit durch zweimaliges Läuten der Glocke kundgemacht.
Der 1. Messner war der ober erwähnte Ulrich, der 2. Messner der oben erwähnte Martin, und der 3 Messner war der Schreiber dieses Gedenkblattes in seinen Jugendjahren, da er seinem Vater, dem vorgenannten Martin Thurnher als Sohn im Messneramte folgte. Der 4. Messner heute ist dessen Vetter Joh. Georg Thurnher, Bauer.
Hiemit schließe ich mein Gedenkblatt.
Dornbirn, Hinterachmühle, am 4, Oktober 1907. "

Soweit der Bericht des Chronisten über die kleine Kapelle in der Hinterachmühle.  Am Schlusse des Gedenkblattes erwähnt er noch, dass das letzte Hochwasser am 15. Juli 1824 gewesen sein soll, wobei der Achmühlersteg weggerissen und dann die heute noch stehende gedeckte Holzbrücke erbaut wurde.

Die letzte Renovierung der Kapelle Hinterachmühle fällt in das Jahr 1960 und kam durch großmütige Spenden der Bewohner der Hinterachmühle zustande.
Neuerdings renoviert März/ April 1983.


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Bild:

Dokumentationssammlung
Josef und Manfred Huber