100 Jahre Donbirner Sparkasse.

„Spare in der Zeit, so hast du in der Not“! Diese uralte Volksweisheit ist offensichtlich auch dem Gründungsakt der Dornbirner Sparkasse, am 1.Nov.186?, in einem bescheidenen Zimmer des alten Rathauses, Pate gestanden. Das öffentliche Vorsorge- und Versicherungswesen bewegte sich damals noch in einem sehr dürftigen Rahmen. Die Gemeinde leistete für die Armenfürsorge, was in ihren Kräften stand. Aber die vorhandenen Mittel waren bescheiden,analog dazu auch die Unterstützungsmaßnahmen. Die Gemeindeväter, allen voran die Bürgermeister wurden daher begreiflicherweise nie müde, die Mitbürger gegenseitig anzueifern, einen Notgroschen für unverhergesehene Krankheits- und Unglück fälle, besonders aber für einen geruhsamen Lebensabend sicherzustellen und zugleich noch nutzbringend anzulegen.
Initiativen zur Gründung einer Sparkasse des Marktfleckens Dornbirn sind durch folgende Bürgermeister ergriffen worden:

1839,1840,1846 durch Josef Anton Rhomberg; 1841 und 1842 durch Franz Martin Zumtobel; 1844, 1852, 1853 und 1854 durch Franz Rhomberg;
1855,1856 und 1857 durch David Fußenegger; 1858,1859,1860,1861,1862 1863 und 1864 durch Albert Rhomberg; 1865 und 1866 durch Wilhelm Rhomberg. Erst Bürgermeister Arnold Rüf konnte dann die Ernte einbringen, den Gründungsakt, um den man sich nahezu 30 Jahre hindurch immer wieder aufs neue bemüht hatte. Mangelndes Verständnis zur Sache bestimmter maßgeblicher Kreise im Orte und das Wiederholte Zurückweisen der eingereichten Statuten durch die zuständige Behörde hatte die unverständlich lange Verschleppung einer, wie sich dann herausstellen sollte, so segensreichen, gemeinnützigen Institution bewirkt.
1867 war es soweit. Josef Anton Hilbe vom Rohrbach und Katharina Lenz von Bildstein, zu jener Zeit wohnhaft in Schmalenegg, legten die ersten Beträge ein.

Die nun andauernde vierzigjährige Friedensära, in Verbindung mit einer noch nie dagewesenen wirtschaftlichen Blüte, kam dem Auf- und Ausbau der Dornbirner Sparkasse sehr entgegen. Die Zahl der Einleger erhöhte sich bis zur Jahrhundertwende auf 4500 Personen; die Einlagensumme machte zu diesem Zeitpunkt einen Betrag von fl. 1,662.511.- aus und das Eigenvermögen der Anstalt betrug fl. 174.934.-.

Dank dieser günstigen finanziellen Situation war die Dornbirner Sparkasse in der Lage, bereits 1902, Dornbirn beachtliche Kredite zu gewähren, z.B. für den Realschulneubau K 260.000.-, für den Pfarrhof Markt K 40.000.-, zur Behebung von Hochwasserschäden K 150.000.-, Gerade in diesem Zusammenhang darf die Tatsache gewürdigt werden, daß die Erschließung des Bregenzerwaldas von Dornbirn aus durch durch den Bau der Achrainstraße, nebst den Spenden aller Dornbirner,  je nach dem Vermögen, größere und kleinere, letztlich doch erst mit Hilfe der Dornbirner Sparkasse als Darlehensgeberin realisiert werden konnte.

Nicht hoch genug anzurechnen ist es der Dornbirner Sparkasse, daß sie immer wieder neben vielen kleineren Spenden für Gemeinnütziges im Orte größere Beträge gewidmet hat, z.B. für den Spitalsneubau, das Gewerbeförderungsinstitut, für Tuberkulosenhilfe, das Waisenhaus, das rote Kreuz, das Kinderferienwerk, für Schulerhaltung und Kindergärten, für die Linderung der Kriegsnot, für das Hilfswerk, für Krankenpflege, Lehrlingsheime usw.
Wer aber Gelegenheit hatte, die finanzwissenschaftlich und ortsgeschichtlich hochinteressanten Festreden zu hören, die Alt-Bürgermeister Dr.G.A.Moosbrugger und Kommerzialrat Dir.Dr.Eugen Lecher anläßlich der 90-Jahrfeier der Dornbirner Sparkasse am 2. März 1958 gehalten haben, der bekam ein recht anschauliches Bild davon, daß diese Anstalt im vergangenen Jahrhundert nicht nur in Zeiten der Prosperität in allen Sparten der Wirtschaft ihrer Aufgabe gerecht wurde, sondern daß sie auch währen zweier Weltenbrände mit all den bitteren Leiden und Folgerscheinungen, der Inflation, der wirtschaftlichen Rückschläge, den politischen Erschütterungen ihre Existenzberechtigung hervorragend unter Beweis gestellt hatte.

Von 1867 bis 1905 mußte sich die Leitung der Dornbirner Sparkasse zur Abwicklung ihrer Geschäfte mit einem kleinen Raum im alten Dornbirner Rathaus begnügen, von 1905 bis 1911 standen dann dieser Sparkasse schon bessere, größere Räumlichkeiten im Erdgeschoß des alten Rathauses zur Verfügung. Am 11.Nov. 1911 konnte das neuerrichtete Gebäude der Dornbirner Sparkasse an der oberen Bahnhofstraße durch Bürgermeister Engelbert Luger seiner Bestimmung übergeben werden. 1922 kam eine Zweigstelle in Hohenems und 1926 in Lustenau dazu.

(Aus dem Dornbirner Gemeindeblatt vom 5.November 1967)

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Autor:

Josef Huber